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Die Schönsten Radwege 2022

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Special zu Wandermagazin 214: „Die schönsten Radwege 2022“ mit 47 Tourenvorschlägen zu Radrouten in Deutschland und den Nachbarländern sowie Tipps und Tricks für den Fahrradalltag

© Brompton KLEINE UND

© Brompton KLEINE UND KOMPAKTE FLITZER Falträder gibt es auch mit Elektroantrieb © Exxite/Rayvolt Falträder galten lange als „Spielzeug“ unter den Fahrrädern. Dabei können sie viel mehr als manche „Spielräder“ – und haben ihre große Zeit noch vor sich: Stichwort Verkehrswende. Denn die praktischen Räder sind die komplementäre Fortbewegung zum ÖPNV. Text: Ralf Stefan Beppler Die Idee ist genial – und alt. Ein Fahrrad, das sich klein zusammenfalten, -klappen oder –schieben lässt. Bereits in den 1870ern hat der Radpionier und Erfinder William Henry James Grout das damalige „Hochrad“ so rekonstruiert, dass das riesige Vorderrad zum einfachen Transport in vier Teile zerlegt werden konnte. Man könnte also sagen, es war ein erstes Faltrad. In den 1940er Jahren entwickelte die Birmingham Small Arms Company (BSA) ein faltbares Fahrrad, das von englischen Fallschirmtruppen eingesetzt wurde. In Deutschland brachten die späten 1960er Jahre einen Schub: Ein Tiefeinsteiger-Klapprad mit Schraubscharnier und einer parallel zum Rahmen klappbaren Lenkerstange war Trend. Ein ähnliches Modell – und Verkaufsschlager – kam von den Mitteldeutschen Fahrradwerken (MIFA). Das Faltrad, wie wir es heute kennen, entstand in den 1980er Jahren durch zwei Firmen: Dahon und Brompton. VORTEIL HOCH DREI Falträder haben drei Vorteile. Der erste und offensichtlichste ist die Größe. Man kann sagen, je kleiner das Packmaß, desto größer der Einsatzbereich. Ein „Standard“-Fahrrad mit 26 oder 28 Zoll Reifengröße wird immer noch zu groß sein, um es unkompliziert mitzunehmen. Falträder haben also größere Vorteile, wenn sie kleinere Laufräder haben. Gleiches gilt für die Faltmöglichkeiten. Lässt es sich nur einmal am Rahmen falten, dann ist es immer noch recht groß. Clevere Falträder lassen sich bis zu viermal falten oder ineinanderschieben. Und, ganz wichtig, diese Faltvorgänge müssen unkompliziert und ohne Kraftaufwand erfolgen. Der zweite Vorteil liegt im Gewicht. Man ist mit einem Faltrad nur dann wirklich mobil, wenn es sich leicht heben und tragen lässt. Ist es zu schwer, wird man auf das Faltrad häufig lieber verzichten, als sich 12 Die Schönsten Radwege 2022

Einfach zu falten und klein. Das kompakteste Faltrad kommt von der englischen Firma Brompton © Brompton zu „belasten“. Vorteil Nummer drei, der häufig missverstanden oder vergessen wird: Falträder haben durch die kleinen Laufräder und eine gute Übersetzung eine starke Beschleunigung. Das macht das Fahren auf einem Faltrad zu einer spritzigen Erfahrung. Bei aller Euphorie: Eine Schaltung mit mehreren Gängen (mindestens drei, besser mehr) erleichtert das Fahren. Allerdings erwächst daraus auch der vielleicht einzige Nachteil: Falträder fahren anders. Der Lenker ist deutlich höher. Dadurch wirkt eine andere Hebelkraft auf das Vorderrad. Außerdem schlägt dieses schneller ein, vor allem bei den kleineren Laufrädern. Es braucht etwas Übung und Erfahrung, damit man sich nicht „selber ein Bein stellt“ oder den Wendebereich überreißt. Manchmal wird auch argumentiert, dass Falträder komplizierter sind – weil anders – und Ersatzteile schwerer zu erhalten oder teuer seien. Aber auch hier gilt: Wer sich mit dem Rad beschäftigt, kann viele Dinge selber reparieren und, im Zweifelsfall, gibt es Händler*innen, die sich auf Falträder spezialisieren und an alle Ersatzteile kommen können. ONE SIZE FITS ALL Prima am Faltrad: Es passt. Während man sich bei anderen Rad-typen über Rahmengeometrie, Rahmenhöhen, Vorbauten, Sitzhaltungen und Ergonomie Gedanken machen sollte – schnell hat man sonst das „falsche“ Rad gekauft –, passt eigentlich jedes Faltrad. Der Clou: Man sitzt aufrecht und die richtige Höhe wird durch die Höheneinstellung des Sattels und der Lenkerstange eingestellt. Das ist ganz einfach, weil die Höhen beim Zusammenfalten ohnehin häufig verkleinert werden. Es lohnt sich also, die „Idealhöhe“ am eigenen Faltrad zu markieren, so dass man diese immer genau trifft. Trotzdem gibt es unterschiedliche Rahmenformen und Abstände zwischen den Laufrädern, so dass man auf jeden Fall sein Lieblingsfaltrad ermitteln sollte – für maximalen Fahrspaß. Auch hier lohnt sich der Gang zum spezialisierten Faltradhandel. PENDLERS LIEBLING Das Faltrad mit 16 Zoll Laufrädern ist unschlagbar in Kombination mit dem öffentlichen Nah- und Fernverkehr. Auch für die 20 Zoll Räder gelten die allgemeinen ÖPNV-Vorteile. Es kann wie ein größeres Gepäckstück kostenlos mitgenommen werden und braucht kein extra Ticket. Das gilt auch für Bahnbusse. Noch besser: Mit dem Faltrad kann man sogar ICE fahren – der lange als „Fahrradverbotszone“ galt – ohne Zusatzticket und ohne, dass man auf spezielle Züge mit Radabteil angewiesen ist. Praktisch auch im Nahverkehr: Während Fahrräder häufig in den Stoßzeiten verboten sind, weil sie andere Fahrgäste behindern würden, gilt dieses Verbot für gefaltete Räder nicht. So lassen sich Zufahrt zum S-Bahnhof und die Weiterfahrt am Zielort einfach und zuverlässig bewerkstelligen. Das Risiko von Vandalismus an einem Stadtrad, das irgendwo am Bahnhof steht, entfällt auch. CAMPINGFREUND Ein Faltrad ergänzt auch prima den Campingausflug. Es besticht, weil es im Camper und kleineren Caravan Platz findet, nicht stört, aber doch ungeahnte Mobilität am Urlaubsort ermöglicht. Je nach Größe des Caravan kann man auf Falträder mit etwas größeren Rädern setzen. Größere Laufräder, etwa 24 Zoll, haben den Vorteil, dass sie geländegängiger sind auf unbefestigten Wegen. Kleinere Laufräder können schnell in einer Senke oder einem Schlagloch „steckenbleiben“. Auch wenn viele Falträder Gepäckträger haben und selbst die Befestigung von Radtaschen möglich ist, sind Faltrad-Touren mit schwerem Gepäck verglichen mit Tourenrädern nur schwer machbar. Das liegt an der Rahmengeometrie und den langen Lenker- und Sattelstangen, die schnell zu einem Rahmenflattern führen. Auch muss man auf den Tretradius achten. Wer wirklich Radtaschen befestigen will – man kann auch mit leichtem Gepäck ausgedehnte Touren machen –, sollte diese schon zur Testfahrt vor dem Kauf mitbringen. Test- und Vergleichsfahrten sind ohnehin wärmstens zu empfehlen. Je kleiner, desto handlicher und je eher nimmt man es mit © Brompton www.die-schönsten-radwege.de 13