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Belgische Ardennen – Wandermagazin 209

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Belgische Ardennen: Zu den Quellen guten Lebens Wandermagazin-Herausgeber zeigt auf 22 Seiten die grünen und genussvollen und erfrischenden Seiten der Belgischen Ardennen rund um Spa, Bouillon und das Hohe Venn.

REGIOPANORAMA I

REGIOPANORAMA I BELGISCHE ARDENNEN ZU DEN QUELLEN GUTEN LEBENS VON DER URLANDSCHAFT DES HOHEN VENNS ZUR SEMOIS, DER MÄANDERKÖNIGIN IN DEN SÜDLICHEN ARDENNEN. VON DEN SPRUDELNDEN QUELLEN IN UND UM SPA ZU DEN GESCHMACKSEXPLOSIONEN IN DEN ARDENNENDÖRFERN. WER WANDERN WILL UND SICH GERNE VERFÜHREN LÄSST, DEM SEIEN VIELE WEGE ZU DEN WURZELN GUTEN LEBENS VERSPROCHEN. In Spa, umgeben von sprudelnden Bergen, wo aus Hunderten Quellen reinstes Wasser strömt, schlenderte ich auf den Spuren einer mondänen Kurstadt von europäischem Rang. Ich trank aus der Quelle, die 1717 bereits Zar Peter der Große nutzte. Wanderte wie einst der hünenhafte russische Kaiser von der Quelle „Geronstière“ zurück nach Spa. Durchstieg Bachtäler von faszinierender Wildheit und genoss die Melancholie der Hochmoore. Ich ließ mich durch die Grotten von Remouchamps in die Unterwelt führen. Weiter ging die Entdeckungsreise nach Bouillon. Unvergessen, wie mich Marie-Laure in der Burg Bouillon zu 13 Fresken aus ihrer Hand in einem Seitengang der Burg führte. Sie zeichnen die Geschichte Gottfrieds von Bouillon von der Geburt bis zum Einzug in Jerusalem am Ende des Ersten Kreuzzugs im Jahr 1100 nach. Es ist jener Gottfried, der in Bouillon und Umgebung als Held verehrt wird. Beeindruckt von dem majestätischen Flug des Weißkopfadlers eines holländischen Falkners im großen Burghof, stieg ich in die Altstadt ab. Bei Monsieur Legrand in der Grand Rue kaufte ich mir für 15 Euro einen leckeren Apfelkuchen aus Mürbeteig (Tarte aux pommes). Wieder so eine Quelle besonderen Genusses. Das letzte Stück vertilgte ich zur Halbzeit meiner Tour am Prachtausguck auf die Semoisschleife in Botassart. Abends dann die Geschmacksexplosionen bei Maxime Collard im Restaurant „La Table de Maxime“ im Ardennendorf Our. Was der 37-Jährige mit seinem Team in fünf Gängen auf Tisch und Teller zauberte, kann ich leider nicht in Worte fassen. Ich schloss einfach die Augen und befahl meinen Geschmacksknospen, jedes Aromamolekül, jedes verarbeitete Produkt zu schmecken. Maxime ist einer von 24 Spitzenköchen der „Generation W“ (W steht für Wallonie), die sich verpflichtet haben, überwiegend mit heimischen Produkten zu kochen. Für mich ist seine virtuose Zauberei eine Quelle des guten Lebens. Mit größter Begeisterung wanderte ich tags drauf von Rochehaut hinunter zur Semois und stieg über Stufen und Leitern wieder hinauf. Ich war wie beseelt und begeistert. Nur einen Tag später stand ich an der prachtvollen, restaurierten Mühle von Resteigne am Ufer der Lesse, im Herzen des UNESCO-Geoparks Famenne-Ardenne. Lesse, Moment mal! Es ist jene Lesse, die bei Han-sur-Lesse einfach in einem unscheinbaren Loch verschwindet und nach 10 km Irrfahrt wieder aus dem Berg austritt. Abends lag ich dann in einem Liegestuhl an der alten Wassermühle in Éprave, nur einen Steinwurf von der Lesse entfernt, trank ein Glas Chinette (ein helles Bier) von der gerade einmal acht Jahre alten „Brasserie de la Lesse“ im Dorf. Ich ließ meine Erlebnisse zu den Wurzeln des Geschmacks und Quellen der Echtheit in der Wallonie Revue passieren. Waren das nicht allesamt Quellen puren Wohlbefindens? Stimmt genau! 8 WANDERMAGAZIN Winter 2020/2021 Panorama auf die Semois- Schleife bei Frahan von Rochehaut aus © WBT, JP Remy

WANDERN IN DER WALLONIE DAS WASSER DER ARDENNEN DAS SAVOIR-VIVRE DER ARDENNEN © Andreas Pacek Im Hoëgne-Tal © Andreas Pacek Spitzenkoch Maxime Collard in seiner Küche © Michael Sänger Die Wallonen sind große Naturliebhaber und schätzen das Wandern. Daher gibt es eine Reihe von Fernwanderwegen (sogenannte GR-Wege Sentiers de Grande Randonnée), darunter mit dem E 2 und dem E 3 auch zwei Europäische Fernwanderwege. Darüber hinaus gibt es ein dichtes Wegenetz an lokalen Rundwanderwegen. In der Nähe der meisten Städte der Wallonie werden sie noch durch örtliche Rundwanderwege ergänzt. Eine Auswahl der schönsten Rundwanderungen hält das Fremdenverkehrsamt des Belgien-Tourismus Wallonie in Deutschland (s. unten) kostenlos zum Download bereit. Darunter eine Broschüre mit den 20 bezauberndsten Wanderungen in den Ardennen oder ein handlicher Pocketguide mit 26 ausgewählten Wandertouren. Ergänzt wird das Angebot durch die acht Geowanderungen des UNESCO- Geoparks Famenne-Ardenne. Alle Infos dazu kann man sich auf der Webseite in deutscher Sprache downloaden. www.geoparcfamenneardenne.be/de Klar, da sind die sprudelnden Quellen in und um Spa. Kaum vorstellbar, dass sie eine von Hydrologen und Geologen nachgewiesene Verbindung zwischen den Hochmooren des Venns und den mehr als 300 natürlichen Quellen herstellen. Vor Jahrzehnten als Niederschlag im Hohen Venn gefallen, gelangt das Regen- und Schmelzwasser in einer der vielen Quellen wieder ans Licht. Da wären jene Wildbäche der Wallonie, die ihren tosenden, schäumenden Ritt aus der Höhe der Moore ins Tal mit bizarren und unglaublich wilden Bachtälern verschönt haben. Von besonderer Anmut und gestalterischer Kraft seien die Ardennenflüsse erwähnt. Sie sind Landschaftskünstler und -gestalter. Es sind Lebensadern und sie bilden den roten Faden für lohnenswerte Wander-, Kajak- und Radtouren. An ihnen liegen wunderschöne Dörfer wie Chassepierre oder La Fôret und einladende Städte. Semois, Amblève, Ourthe oder Lesse diese quicklebendigen Flussdamen sollte man besuchen. Die Menschen in den Ardennen sind sehr heimatverbunden. Sie schätzen das gute Leben. Einer ihrer Wahlsprüche lautet: Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen. Die Bedeutung regionaler landwirtschaftlicher Produkte und einer handwerklichen Herstellung oder Verarbeitung ist groß. Man schaue nur in die Auslagen der Bäckereien und Metzgereien oder besuche einen der zahlreichen Wochenmärkte. Ich fand in einem 400 Seelendorf eine Metzgerei und im kleinen Our in den Ardennen hat sich Maxime Collard sogar zwei Michelinsterne erkocht und kann sich vor Reservierungsanfragen kaum retten. Vom Müller zur Ziegenkäserei, vom Kartoffelbauern zum Chocolatier heißt es immer: Regional kommt zuerst. Man trinkt das Bier aus einem der Trappistenklöster oder einer Brauerei der Umgebung, genießt den Schinken nach Ardenner Art und verwöhnt sich mit Wild, Pilzen und Beeren aus heimischen Wäldern. Hier lässt es sich leben. (ms) Zu den Quellen des guten Lebens In diesen gekenzeichneten Regionen wurden die Wanderungen und Touren vorgenommen. Bouillon UNESCO-Geopark Famenne-Ardenne Spa Hohes Venn Florenville AKTUELLE BROSCHÜRE ZUM HERUNTERLADEN UNTER: www.belgien-tourismuswallonie.de/broschueren www.wandermagazin.de 9