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Belgische Ardennen – Wandermagazin 209

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Belgische Ardennen: Zu den Quellen guten Lebens Wandermagazin-Herausgeber zeigt auf 22 Seiten die grünen und genussvollen und erfrischenden Seiten der Belgischen Ardennen rund um Spa, Bouillon und das Hohe Venn.

REGIOPANORAMA I

REGIOPANORAMA I BELGISCHE ARDENNEN QUELLEN WIE PERLENDER SEKT Der Wildbach Hoëgne mit der Brücke Pont du Centenaire © FTPL, P. Fagnoul Mein Spaziergang durch die Altstadt von Spa gleicht einer Zeitreise ins 18. oder 19. Jh. Ich stehe an einem kleinen Platz mit Brunnen, wo sich die Rue Delhasse und die Rue Dagly treffen. Ich schlendere durch die schmalen Gassen, die gesäumt sind von dreistöckigen Backsteinbauten mit hölzernen Kassetten-Fenstern und schmiedeeisernen Balkonen. Die schmucken Bauten aus dem späten 18. und frühen 19. Jh., einst Hotels, Logierhäuser und Pensionen für die in der Liste der „Lords and Ladies“ aufgeführten betuchten Kurgäste, laden zum Träumen ein. Am Eingang vieler Häuser erzählen Plaketten davon, welche prominenten Persönlichkeiten aus Adel, Klerus und Bourgeoisie wann hier logierten. In der Rue Delhasse wohnte z. B. der amerikanische Erfolgsautor Fenimore Cooper (Der letzte Mohikaner). Unweit von ihm der berühmte Galan Giacomo Casanova. BETUCHTE KURGÄSTE Es heißt, schon Plinius dem Älteren, einem römischen Gelehrten zurzeit von Jesus Christus, sei der Sauerbrunnen in den Ardennen bekannt gewesen. Der Legende nach soll der Heilige Remaclus, Missionsbischof der Ardennen im 7. Jh., mit seinem Bischofsstab auf die heilenden Quellen gestoßen sein. Gesichert ist das nicht. Völlig sicher und sogar zu besichtigen ist die gemalte Gästeliste bedeutender Kurgäste der Ardennenstadt im Brunnengebäude Pierre-le-Grand im Herzen der Stadt. 95 Persönlichkeiten aus drei Jahrhunderten porträtierte der Maler Antoine Fontaine auf einem monumentalen Fresko. Es hängt im Foyer zur Quelle „Peter der Große“. Interessant finde ich allerdings auch, welche Berühmtheiten er nicht würdig genug befand, obwohl ihr Aufenthalt verbrieft ist. So fehlen auf dem knapp neun Meter langen „Livre d‘Or“ etwa der Komponist Franz Liszt, Casanova, der Maler William Turner, die Geliebte des bayerischen Königs Ludwig I. Lola Montez oder Zar Alexander I. ÜBER 300 QUELLEN Der russische Zar Peter der Große kurte 1717 fünf Wochen in Spa und die nach ihm benannte Quelle ist die bekannteste aller Quellen in und um Spa. In der Mitte des sechseckigen Pavillons im Zentrum von Spa ragen fünf rostrote Eisenstelen, kunstvoll ineinander verwoben, in die Höhe und aus einem Wasserhahn sprudelt das eisenhaltige und stets zehn Grad kühle Quellwasser. Wer in Spa und Umgebung unterwegs ist, sollte übrigens immer einen Trinkbecher parat haben. Denn Spa ist reich an sprudelnden Quellen. In der Stadt fußläufig erreichbar sind mindestens sieben Brunnen. Weitere gut 300 Quellen liegen in der näheren und weiteren Umgebung. Von Peter dem Großen weiß man, dass er sich frühmorgens mit dem Zweispänner zur Quelle Géronstère (422 m) in der Nähe der Domaine de Berinzenne Auf dem Weg vom Stadtzentrum zur Therme liegt der Brunnen „Fontaine des Yeux“ © Michael Sänger 10 WANDERMAGAZIN Winter 2020/2021

DIE HOCHARDENNEN NATUR PUR Ganz oben in den Ardennen sind die Täler besonders tief, die Wälder größer und die Flüsse wilder. Hier, in Höhenlagen von 400 bis 650 m, kann man durchatmen, neue Energie tanken, wandern, radeln und sich nach allen Regeln der Kunst verwöhnen lassen. Orte wie Gouvy, Lierneux, Trois-Ponts und Vielsalm laden zum Spaziergang oder einer anspruchsvollen Entdeckerwanderung mit Freunden ein. Es gibt Aktivitätsangebote für alle Natur- und Sportbegeisterte. Ob klassisch mit dem Drahtesel, dynamisch per Moutainbike oder e-Bike das Streckennetz ist riesig. Es gibt Fahrrad-Verleihstationen, dazu beschilderte Wege oder RAVeL-Wege auf ehemaligen Bahnstrecken und Treidelpfaden. Das Wanderwegenetz ist umfassend und spezielle Bike-Parks erfreuen besonders Bike-Enthusiasten. Wer will, kann sich sogar e-Roller leihen, so genannte „Trottinettes électriques“. Es stehen auch Tandems und Buggys zur Verfügung, damit sich jeder in der Familie bewegen kann. Sehenswerte kleine Museen, traditionsreiche Feste, Märkte mit regionalen Produkten und gute Restaurants sind weitere Trümpfe für einen unvergesslichen Aufenthalt. Ach ja, abends macht man es sich am Kamin gemütlich, genießt die Erlebnisse des Tages und den Augenblick. Alles gute Gründe es bald auszuprobieren oder? (ms) www.haute-ardenne.be © Christian Deblanc © Christian Deblanc (von dem Haus des Waldes dort starten viele Wandertouren ins Venn und durch eines der atemberaubend schönen Tälchen zurück nach Spa) kutschieren ließ, um dann wieder zu Fuß in die Stadt zurückzulaufen. Das Geheimnis des Quellenreichtums von Spa ruht tief in und auf den Bergen um Spa. Es sind wasserundurchlässige Gesteinsschichten, die das in vielen Jahrzehnten aus den Hochmooren des Venn in das Erdreich sickernde Regen- und Schmelzwasser zu ihren Quellhorizonten leiten. Mehrere hundert Meter tiefer stößt das inzwischen jahrzehntealte Regen- und Schmelzwasser auf das wasserundurchlässige Gestein, schwemmt Spuren von Mineralien heraus und reichert sich gelegentlich mit Kohlendioxid an. Die Quellgalerie der Marie-Henriette-Quelle schüttet pro Stunde sechs Kubikmeter, also 15.000 Liter, reinsten, eisen- und kohlensäurehaltigen Wassers. Einen Großteil des Wassers nutzt das 1921 gegründete, städtische Mineralwasserunternehmen „Spa Monopole“. Die Badekuren von einst werden heute auf einer Anhöhe in der Thermenlandschaft von Spa angeboten. In Sichtweite der alten Wandelhallen Leopold II. und dem „Parc de Sept Heures“ im Stadtzentrum befördern zwei Glaskabinen den Badegast nach oben. Blick von der Brasserie des Bobelines am Parc de 7 Heures auf die Kirche St. Remaclus © Adobe Stock SPA UND DIE BOBELINS Hier ist man stolz auf die mondäne Kurklientel, die man liebevoll „Bobelins“ nannte. Der Begriff hat lateinische Wurzeln. Bibulus, Bibula oder Bibulum steht für Trinkfreudigkeit. Daraus wurde im Volksmund der Bobelin. Er, der Bobelin, mit einem Messstab aus Elfenbein in der Tasche, um die verordnete Menge des Heilwassers messen zu können. Sie, die Bobeline, mit Anis und Cardamon im Gepäck, um dem leicht fad und säuerlich schmeckenden Mineral- www.wandermagazin.de 11