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Ruhrgebiet – Wandermagazin 200

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Ruhrgebiet: Route der Industriekultur. Autorin Eva Hakes spürt dem Wandel des Ruhrgebiets nach – sie fand die Wiege des Bergbaus, Zeugnisse des Wandels und Kunst auf der Halde – persönliche Begegnungen mit Vertretern der Region inklusive.

REGIOPANORAMA RUHRGEBIET

REGIOPANORAMA RUHRGEBIET R O U T E DER INDUSTRIEKULTUR R U H R Meilensteine der Industriekultur, weithin sichtbare Landmarken mit faszinierenden Panoramen, Einblicke in historische Arbeitersiedlungen und nicht zuletzt überraschende und inspirierende Naturerfahrungen bietet die Route der Industriekultur Ruhr. Ihr Träger ist der Regionalverband Ruhr, der ein weitgespanntes Wegenetz durch den „Pott“ entwickelt hat. Es spannt sich über das gesamte Ruhrgebiet im Umkreis der Städte Duisburg, Oberhausen, Essen, Bochum, Dortmund, Bergkamen und Hamm. Als Fahrradroute hat die Route der Industriekultur bereits einige Berühmtheit erlangt, als Wandergebiet überrascht sie mit einer beeindruckenden Mischung von Industriekultur und Industrienatur. Viele Denkmäler der Industriekultur tragen berühmte Namen, z. B. der Gasometer in Oberhausen oder das Unesco-Welterbe Zeche Zollverein. Ihnen zur Seite steht eine erstaunliche Anzahl beeindruckender Kirchen beider Konfessionen, die für die vielen Arbeitskräfte erbaut wurden, die im Zuge des Kohlebooms in die Region kamen. Sie gehören zu den bedeutendsten Bauwerken, die seit dem 19. Jh. im Revier entstanden sind. Ruhrgebiet Die Reize der Industrienatur sind bislang weniger bekannt, und gerade darum so entdeckenswert. Auf Industriebrachen entsteht hier eine neue urbane Wildnis. Besonders augenscheinlich wird das auf den Halden, jenen „Höhenzügen“ des sonst so flachen Ruhrgebietes, die aus Bergbau-Abraum aufgeschichtet wurden. Die jungen Wälder, die sich hier angesiedelt haben, sind erstaunlich artenreich. Selbst einige auf der Roten Liste geführte Arten sind hier zu Hause. Vor allem aber sind die Halden heute bestens erschlossene Freizeitlandschaften. Wer beginnt, sie zu erklimmen und die industriekulturelle Landschaft des Ruhrgebietes mit seinen Zechen und Fördertürmen, Hochöfen, Schienennetzen, Wäldern, Landschaftsparks und Agrarflächen auf sich wirken zu lassen, der mag ein wenig süchtig werden. Die Halden sind mehr als künstliche Berge. Sie sind Zeugen der Bergbau-Geschichte der Region und Träger eines spannenden kulturellen Erbes. Diese Aspekte werden durch Installationen bekannter Künstler oder mit Hilfe wissenschaftlicher Erlebnisstationen, wie zum Beispiel dem Horizontobservatorium auf der Halde Hoheward, auf immer wieder neue überraschende Weise erfahrbar. Das Wanderwegenetz Halden-Hügel-Hopping, zu dem es eine kostenlose App gibt, verknüpft die spannendsten Haldenerlebnisse zu zwölf Themenrouten. ERINNERUNGEN AN DIE MUTTENTALBAHN AUF DEM BERGBAUHISTORISCHEN WANDERWEG 8 WANDERMAGAZIN Herbst 2018

DAS WITTENER MUTTENTAL: DIE WIEGE DES KOHLEBERGBAUS RUND UM DEN MECHTENBERG: INDUSTRIELLE KULTURLANDSCHAFT HALDE HANIEL IM NORDEN: DAS RUHRGEBIET IM WANDEL Eingang zu einem alten Bergbauschacht im Muttental Klangsteine im Landschaftpark am Mechtenberg Stelen von Agustín Ibarrola auf der Halde Haniel Das heutige Bild des Ruhrgebietes ist entscheidend geprägt durch die Steinkohlevorkommen, die hier unter der Erde lagerten. Ihr Abbau bot vielen Menschen Arbeit und es dauerte nicht lange, bis sich auch Eisen- und Stahlindustrie hier ansiedelten, die von der günstigen Kohle profitierten. Die Anfänge des Ruhrbergbaus liegen im Süden des Reviers. Im Wittener Muttental sind ihre Spuren bis heute hervorragend sichtbar. Hier traten die Steinkohleflöze in der hügeligen Landschaft an die Erdoberfläche und waren deshalb besonders leicht auffindbar. Spannende Einsichten in die hiesige frühe Entwicklung des Ruhrbergbaus bietet das Industriemuseum Zeche Nachtigall. Im ebenerdigen Besucherstollen liegt ein Steinkohleflöz offen, Einblicke in die Technik und die schweren Arbeitsbedingungen der Bergleute des 19. Jh. bietet die Ausstellung rund um den Schacht „Hercules“, einer der ersten Tiefbauschächte des Reviers. Auf Zeche Nachtigall, für die Kohleförderung seit 1714 dokumentiert ist, wird das Zusammenspiel all der Elemente verstehbar, die den Kohlebergbau in der Region geprägt haben: die Geologie des Ortes, die technologische Entwicklung im Zeitalter der Industrialisierung, die Schiffbarkeit der Ruhr, die Bahnlinien mit den schon früh normierten Waggons, aber auch die historischen Lebensbedingungen der Menschen in der Region. Ein Bergbauhistorischer Wanderweg in unmittelbarer Nähe führt durch üppige Wiesen- und Waldlandschaften zu ehemaligen Schächten und Fördereinrichtungen und gibt auf 50 Stationen Einblicke in die über 450-jährige Bergbaugeschichte der Region. Zwischen Essen, Bochum und Gelsenkirchen liegt der Mechtenberg. Er ist die einzige natürliche Erhebung in dieser bis zur Mitte des 19. Jh. ländlich geprägten Region. Ab 1850 wurde diese Gegend zum Schauplatz der großen Blüte des Ruhrbergbaus. Bergbaugenossenschaften kauften das Land von den Bauern auf, man trieb eine Unzahl von Förderschächten in die Tiefe und ebenso viele Fördertürme schossen in die Höhe. In die Nähe der Zechen mit ihren großen Belegschaften baute man die „Kolonien“ genannten Arbeitersiedlungen. Auch Stahlindustrie und Kokereien siedelten sich an und verliehen der Landschaft mit Dampfwolken speienden Kühltürmen und schlanken, hohen Schloten ihre spezifische Prägung. Mit den Jahren verband ein immer engmaschigeres Schienennetz diese Orte miteinander und mit dem Rest der Welt. Dies alles geschah zunächst einmal ohne nennenswerte städtebauliche Planung. Hier und da blieben „Restflächen“ stehen, grüne Inseln im Kohlenpott, auf denen weiterhin Pferdekoppeln, Kuhwiesen, Felder und Wälder daran erinnerten, wie die Landschaft des Ruhrgebiets bis vor knapp 200 Jahren ausgesehen hat. Seit Ende der 1950er-Jahre befindet sich die Region im Wandel. Zechen und Stahlwerke sind stillgelegt, auf ihren Brachflächen treibt die Industrienatur ihre vielfältigen Blüten, ehemalige Schienentrassen bilden ein Radwege-Netz, das die heutigen Ikonen der Industriekultur auf kurzen Wegen miteinander verbindet. Zwischen Industrienatur und Industriekultur haben bis heute landwirtschaftliche Flächen ihre Nischen bewahrt und bieten Wanderern erstaunliche Perspektiven. Das Zeitalter des Ruhrbergbaus neigt sich dem Ende zu. Im Herbst des Jahres 2018 wird im Norden des Ruhrgebietes Prosper-Haniel, die letzte noch in Betrieb befindliche Zeche, stillgelegt. Die von Bergbau und Schwerindustrie geprägte Landschaft erfährt im Zuge dieser Entwicklung einen Wandel und bleibt ihrer Identität doch treu. Hervorragend sichtbar ist dieser Prozess an der Halde Haniel auf der Grenze zwischen Bottrop und Oberhausen. Mit 128 m ist sie die höchste zugängliche Halde des Ruhrgebietes. Die Wege durch den Industriewald rund um die Halde werden von den Anwohnern heute als Naherholungsgebiet genutzt, der Gipfel der Halde ist Kunstraum, Erlebnisort und Event-Location in einem. Über die Halde zieht sich in 15 Stationen ein Kreuzweg von Tisa von der Schulenburg, jeder Station ist ein symbolischer Gegenstand der Bergmannswelt zugeordnet. Diese werden flankiert von Schrifttafeln, die eindrucksvoll das Verhältnis von Mensch und Arbeit reflektieren. Auf dem Plateau befindet sich ein von Papst Johannes Paul II. geweihtes Kreuz. Ein wenig höher liegt in einer künstlichen Senke die Bergarena, ein Amphitheater mit Raum für 800 Besucher. Am Haldenkamm ragen 100 Totempfähle in den Himmel. Die Installation des baskischen Künstlers Agustín Ibarrola reflektiert die scheinbaren Gegensätze zwischen Industrieraum und Natur, die hier aufgehoben werden. Als Aussichtspunkt bietet die Halde die Möglichkeit, viele Ikonen der Industriekultur aus der Ferne zu entdecken und ist gleichzeitig bestes Beispiel für eine grandiose Verbindung von Industrienatur und Industriekultur. www.wandermagazin.de www.wandermagazin.de 9