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Ruhrgebiet – Wandermagazin 200

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Ruhrgebiet: Route der Industriekultur. Autorin Eva Hakes spürt dem Wandel des Ruhrgebiets nach – sie fand die Wiege des Bergbaus, Zeugnisse des Wandels und Kunst auf der Halde – persönliche Begegnungen mit Vertretern der Region inklusive.

REGIOPANORAMA RUHRGEBIET

REGIOPANORAMA RUHRGEBIET Radfahrer aus Österreich auf der Halde Haniel Guido Hoffmann Künstler und Meisterschüler von Agustín Ibarrola © Eva Hakes „2002 habe ich die Totems gemeinsam mit Agustín auf der Halde Haniel aufgestellt. Allerdings war damals schon vorgesehen, die Halde noch einmal mit 200.000m3 Material anzuheben. Als das geschehen war, habe ich 2008 die Stelen dann alleine neu positioniert. Ich kümmere mich um Agustíns Installation als wäre es meine eigene und gehe regelmäßig auf die Halde, um zu kontrollieren, ob alles in Ordnung ist. Durch das extreme Klima dort oben müssen die Totems von Zeit zu Zeit neu bemalt werden. Das übernehme dann auch ich.“ Halde zum Anlass nehmen, sich ein wenig näher mit dem Leben dieser beeindruckenden Künstlerin auseinanderzusetzen, die im tief christlich geprägten Pott als die „Heilige Barbara des Ruhrgebietes“ bekannt war: Künstlerleben in den goldenen 20ern, antifaschistischer Widerstand und Migration in den 30ern und 40ern, enge Kontakte mit Bergleuten in England, daraufhin engagierte Kunst im Kampf gegen soziale Ungerechtigkeit, nebenher zwei Ehen, Umzug ins Ruhrgebiet, schließlich, im Alter von 46 Jahren, Eintritt in das Ursulinen-Kloster in Dorsten, künstlerische Arbeit im Dienste der Armen und Notleidenden bis ins hohe Alter. Noch im Alter von 93 Jahren nahm Tisa, die nun Schwester Paula hieß, an den Mahnwachen gegen die geplante Schließung der Dorstener Zeche Fürst Leopold teil. TOTEMS Als wir die „Baumgrenze“ der Halde erreichen, eröffnen sich uns erneut erstaunlich weite Blicke über das Land. Über dem grauen Gipfelkamm der Halde ragen bunte Stelen in die Höhe, zu ihren Füßen liegt ein in den Berg eingelassenes Amphitheater. Intention des baskischen Künstlers Agustín Ibarrolas, der die „Totems“ genannte Installation der Stelen realisiert hat, war es, die scheinbaren Gegensätze von Industrieraum und Na- Die von Wald umgebene Halde Haniel tur zusammenzuführen. Das klingt etwas abstrakt. Erfreulicherweise erwartet uns Guido Hofmann auf der Halde. Er ist Ibarrolas Meisterschüler und hat mit ihm an den „Totems“ gearbeitet. „In dieser Installation hat Agustín Ibarrola ausgediente Eisenbahnschwellen zu neuem Leben erweckt“, beginnt Hofmann seine Erklärungen. „Die Totems sind einerseits als Gesamtinstallation zu betrachten, 16 WANDERMAGAZIN Herbst 2018

Tipp des Autors Wer auf der Route der Industriekultur zwischen Mechtenberg und Halde Rheinelbe unterwegs ist, findet am Bauernhof am Mechtenberg den perfekten Vorwand für eine ausgiebige Rast. Hubertus Budde und Andrea Maas haben mit viel Liebe die ehemaligen Pferdeställe zu einem Hofladen mit gemütlichem Café umgebaut. Hier gibt es hervorragenden Kaffee, Tee und selbstgemachten Kuchen, den man im Sommer auch auf der Terrasse genießen kann. Kinder können hier im Sand buddeln, Trettrecker fahren oder im Streichelzoo die Bauernhoftiere kennenlernen. Info: www.bauer-budde.de andererseits hat auch jede der Stelen für sich eine Aussage. Sie sprechen mit uns.“ „Was meinen Sie damit?“, fragt die etwas tumbe Journalistin. Der Künstler atmet tief durch. „Naja, Sie sehen ja auch, dass diese Stelen eine ganz besondere Atmosphäre erzeugen. Dies hier ist ein Ruheort und die Menschen, die hierher kommen, treten mit den Stelen in Kontakt. Viele von ihnen sind begeistert.“ WANDLUNGEN „Warum nicht einfach mal versuchen, mit recycelten Eisenbahnschwellen in Kontakt zu treten?“ Auf den ersten Blick wirken sie fröhlich und anziehend, so wie sie da in bunten Zweier- und Dreiergrüppchen auf dem Kamm der Halde stehen. Ich gehe näher ran. Das alte Holz trägt Spuren aus seinem früheren Leben als Eisenbahnschwellen in Form von Nägeln und Schrauben. Unter den bunten Farbschichten erzählen hunderte unregelmäßiger kleiner Einbuchtungen eine schwer zu deutende Geschichte. Dafür erkenne ich ihre Gesichter, die mal einander zugewandt sind, mal in die Ferne schauen. Ich schaue mit ihnen. Blicke auf das Amphitheater und über die Wälder des Münsterlandes, nach Süden in die Kölner Bucht, wo der Düsseldorfer Fernsehturm als zierliche Silhouette im Dunst tanzt, auf die Wahrzeichen des Ruhrgebietes wie Zeche Zollverein und das Horizontobservatorium auf Halde Hoheward. Unter uns liegt die Zeche Prosper-Haniel in den letzten Zügen der Arbeit. Die Zeit steht still, aus einer anderen Welt pfeift der Wind um meine Ohren. Plötzlich steht der Fotograf neben mir. „Guck mal!“ Das Display seiner Kamera zeigt eine Frau, die mit ihrem Mountainbike auf der Halde steht. „Eine österreichische Touristin“, jubelt er, „aus Kärnten. Direkt an der letzten noch arbeitenden Zeche des Ruhrgebiets!“ Das nennt man dann wohl Strukturwandel! Wanderabenteuer im Pott halten jede Menge Überraschungen bereit. DAS INDUSTRIELLE ERBE ERFAHREN Wer möglichst viel des industriellen Erbes aus dem Land der „1000 Feuer“ erleben will, der orientiert sich am besten an der Route der Industriekultur. Der Regionalverband Ruhr hat 55 herausragende Zeugnisse der Industriegeschichte im gesamten Ruhrgebiet auf diesem 400 km langen Rundkurs zusammengefasst. Herzstück der Route bilden sogenannte Ankerpunkte, das sind besondere Standorte der Industriegeschichte im Ruhrgebiet, zu denen u. a. die Zeche Zollverein, das Deutsche Bergbau-Museum Bochum, die Villa Hügel, der Innenhafen Duisburg und auch die Zeche Nachtigall zählen. Diese Meilensteine des Industriezeitalters, insbesondere aus der 200-jährigen Geschichte der Kohleförderung und Stahlproduktion, sind heute Museen oder Freizeit- und Veranstaltungsorte mit ganz speziellem Flair. Ebenfalls Teil der Route der Industriekultur sind 17 Panorama der Industrielandschaft, wie die Halden Haniel und Rheinelbe, die nicht nur weit blicken lassen, sondern von Natur und Kunst ein neues Gesicht bekommen haben. Auch ehemalige Arbeitersiedlungen, wie die Margarethenhöhe in Essen, sind Teil der Route und geben einen umfassende Einblick in den einstigen Lebensalltag des „Potts“. An jedem der Standorte informieren Schautafeln über dessen Historie. www.route-industriekultur.ruhr Am besten erlebt man die Route der Industriekultur mit dem Fahrrad. Ein über 800 km langes Wegenetz größtenteils abseits des Straßenverkehrs und ohne anstrengende Steigungen, lädt zur Radtour entlang des industriellen Erbes im Ruhrgebiet ein. Die Radwege führen entlang von Ruhr, Lippe und Rhein über ehemalige, gut ausgebaute Bahntrassen zu den Highlights wie Bergehalden, Zechen, Siedlungen oder Hochöfen. Auf kurzen Distanzen lassen sich die Sehenswürdigkeiten schnell erreichen. Durch das Knotenpunktsystem orientiert man sich leicht und kann seine Route individuell gestalten. Eine neue Radkarte bildet das gesamte Radwegenetz im radrevier.ruhr ab, das sind neben dem Wegenetz der Route der Industriekultur auch der RuhrtalRadweg und die Römer-Lippe-Route. Die Karte kann kostenlos bestellt werden. www.ruhr-tourismus.de/radrevierruhr Der Regionalverband Ruhr fördert die Erhaltung der Standorte der Route, darunter der Landschaftspark Duisburg Nord, die Zeche Zollverein in Essen oder der Gasometer in Oberhausen, und hat mehrere Broschüren zur Route zusammengestellt. Der Entdeckerpass für die Route der Industriekultur vom Regionalverband informiert im Detail über die einzelnen Standorte. Er kann gratis im Online-Shop des Regionalverband Ruhr heruntergeladen bzw. kostenlos bestellt werden. https://shop.rvr.ruhr/ (sp) www.wandermagazin.de 17