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Bayern – Wandermagazin 195

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Bayern. Traditionell anders. Bayerns Natur ist so unterhaltsam wie seine Menschen. Faszinierende Persönlichkeiten repräsentieren das Land, seine Traditionen und seine Kulturlandschaften.

REGIOPANORAMA |

REGIOPANORAMA | Bayern Es ist 5 Uhr in der Früh. Tau liegt auf den Buckelwiesen im kleinen Wallgau und bedeckt Blumen, Kräuter und Gras mit Tausenden Tröpfchen. Der perfekte Zeitpunkt, um zu mähen. Bedächtig stapft Manfred Schmidt durch das feuchte Grün. Mit einem Hieb fährt er die Sense durch die Halme liebevolle Handarbeit für den Erhalt der Buckelwiesen: einer besonderen Kulturlandschaft, die die Menschen, die in ihr leben, bereits seit dem 8. Jh. prägt. Buckelwiesen bei Mittenwald Zurück zu den Wurzeln Bei der Mahd Buckelwiesenbauer Manfred Schmidt, Foto: Peak-PR Buckelwiesen zählen zu den markantesten Merkmalen der Region rechts oben: www.bayern.by, Peter von Felbert rechts unten: Florian Werner Immer wieder setzt der 76-Jährige ab, zieht den Wetzstein aus der Tasche und schärft sein Werkzeug. „Sonst habe ich keine Freude an der Mahd“, sagt er. Langsam geht über dem Gebiet um Mittenwald die Sonne auf und taucht die Alpenwelt Karwendel in ein besonderes Licht. Vollkommene Ruhe nur das zischende Geräusch der Sense durchbricht die Stille. Es sind die Momente, die Manfred Schmidt besonders liebt. Buckelwiese selten und artenreich Hier im kleinen Ort Wallgau gelegen bei Krün und Mittenwald erfüllt sich der pensionierte Heizungsinstallateur einen Lebenstraum: eine 15.000 Quadratmeter große Buckelwiese. Mit seinem Grund hat er ein kostbares Kulturgut erworben: Die Buckelwiesen in der Region um Mittenwald stehen unter Naturschutz. So soll ihr seltener Artenreichtum erhalten werden. Entstanden zum Ende der Würmeiszeit sind die Bodenformationen aus Buckeln und Mulden eine Besonderheit, die es so nur noch im alpinen Raum gibt. Damals formen Frost- und Verkarstungsprozesse auf dem kalkreichen Untergrund eine Buckelflur aus Tau- senden einzelner Hügel von 50 bis 100 Zentimetern Höhe. Bis heute ist sie das Zuhause für viele zum Teil stark gefährdete Schmetterlings-, Insekten- und Pflanzenarten. Enzian, Thymian, Schafgarbe, Arnika, Spitzwegerich, Berg-Klee, Augentrost oder Katzenpfötchen: Auf dem Sauerboden der Buckelwiesen in der Region um Mittenwald wachsen mehr als 200 verschiedene Kräuter, die auf anderen Wiesen schon lange nicht mehr existieren. Grund dafür ist, dass die Buckelwiesen noch nie gedüngt wurden und regelmäßig gemäht werden. Handarbeit für die Natur Eine Aufgabe, der sich Manfred Schmidt mit Herzblut verschrieben hat: Er mäht die Buckelwiesen traditionell mit der Sense einmal im Jahr, immer Mitte Juli. Zwischen acht bis vierzehn Tagen braucht er, um die gesamte Fläche zu mähen. So trägt er einen wichtigen Teil zum Erhalt der Kulturlandschaft in der Alpenwelt Karwendel bei. Denn werden die Wiesen nicht gemäht, wachsen sie mit Gehölzen zu. Deshalb ist in der Vergangenheit aus vielen Flächen Wald entstanden.

Zudem begradigen die Bauern die Buckelflure in den 1920er Jahren zum großen Teil planmäßig, um die Fläche leichter bewirtschaften zu können. Das ist heute allerdings verboten es gilt, die Restbestände der Buckelwiesen in der Gegend rund um Mittenwald zu schützen. In Wallgau ist es mittlerweile 9 Uhr. Seit Stunden schwingt Manfred Schmidt seine Sense eine körperliche Plagerei, wie er selbst sagt, die ihm jedoch große Freude bereitet. Mit der Maschine würde er die Buckelwiese niemals mähen. Und das keineswegs, weil der Staat die manuelle Mahd besonders unterstützt. Wer mit der Hand mäht, bekommt ein bisschen mehr, mit der Maschine gibt es ein bisschen weniger. Die staatliche Unterstützung ist ein wichtiger Anreiz, die Buckelwiesen zu pflegen und zu erhalten, vor allem für die Nachkommen. Der finanzielle Aspekt steht für Schmidt aber nicht im Vordergrund, sondern die Liebe zur Natur. Die besonderen Heublumen verarbeitet seine Frau Inge Schmidt später liebevoll zu duftenden Kräuterkissen, die in ein paar Läden im Umkreis und natürlich bei den Schmidts selbst verkauft werden. In jedem der kleinen Heukissen steckt ein bisschen Buckelwiese und damit ein Stück der wertvollen Kulturlandschaft bei Mittenwald, die Manfred Schmidt pflegt und hegt, solange er kann. Wer möchte, kann ihm dabei gerne helfen, sagt er: „Jeder ist herzlich willkommen mit anzupacken, wenn er Lust und Liebe für die Natur hat.“ Entsprechende Gerätschaften stehen stets bereit. INFO: www.bayern.by/traditionell-anders München www.wandermagazin.de